Mo/ve/ments 2025

Station A:

Feldzeichen

Diese Schafe stehen still, schweigend, wartend – entlang eines Weges, der zur Kunst wird, wenn man ihn mit wachen Augen geht.

Vielleicht folgen sie der Herde. Vielleicht führen sie dich.

Vielleicht sind sie nur Schafe. Vielleicht bist du eins davon.

Warum Schafe?

Diese Frage stellt sich spätestens beim zweiten Schild am Wegesrand – ein stilisiertes gedrucktes Schaf inmitten der Landschaft. Immer wieder taucht es auf, mal offensichtlich, mal beinahe versteckt. Es ist stumm. Es fragt nicht. Und doch weckt es Fragen auf.

Schafe gelten als Herdentiere. Als nützlich. Als still. In der Landschaft tauchen sie häufig auf, doch selten bleiben wir bei ihnen stehen. Auf diesem Weg aber werden sie zur Kunst – ohne Funktion, ohne Produkt. Nur da, um gesehen zu werden.

Diese Arbeit ist eine Einladung, der Stille zu folgen. Dem Einfachen. Dem Wiederholten. Dem, was oft übersehen wird.

Mit „Feldzeichen“ verlagert sich der Blick: auf das vermeintlich Banale, das Alltägliche, das Tierische – und letztlich auf uns selbst. Die uniformen Schafe können als Metapher für gesellschaftliche Strukturen gelesen werden, für Zugehörigkeit, Anpassung, sanfte Rebellion. Oder einfach als freundliche Begleiter durch die Landschaft, die selbst zur Galerie wird.

Ein Kunstpfad, der weniger erklärt als daran erinnert, dass Kunst überall beginnen kann – auch mit einem Schaf.

 

Station 11:

Was trägt – noch

Installation auf dem Kunstwanderweg

Inmitten der Weinberge steht ein säulenartiger Körper – aufgerichtet wie ein Baumstamm ohne Krone, still und umgeben von anderen Bäumen.

 

Die Oberfläche trägt Fragmente von Zeitungsüberschriften – aus dem Zusammenhang gelöst, scheinbar willkürlich und doch bedeutungsschwer. Sie haften wie Erinnerungsspuren auf seiner Oberfläche und laden zur offenen individuellen Lesart ein. Die fragmentarischen Botschaften fordern neue Kontexte heraus, erzeugen eigene Assoziationen und erzählen keine fertigen Geschichten, sondern öffnen Räume.

Die Installation „Was trägt – noch“ verbindet die Anmutung eines Baumstammes mit der Form öffentlicher Litfaßsäulen. Zwischen Naturform und Kulturträger entsteht ein stilles Zeichen – ein Restkörper einer Kommunikation, die vergangen scheint und sich dennoch nicht auflöst.

In einer Zeit permanenter Nachrichtenflut, in der Informationen oft verkürzt, instrumentalisiert oder überlagert werden, stellt sich die Frage: Was bleibt, wenn der Zusammenhang verschwindet? Was trägt – noch?

Zwischen Sichtbaren und Unsagbaren verhandelt das Werk die fragile Grenze zwischen Mitteilung und Verschweigen, zwischen Erinnern und Vergessen. Es steht zugleich für Meinungsvielfalt und deren Einschränkung, für mediale Überfülle und gezielte Leerstelle.

„Was trägt – noch“ ist wie eine gewachsene Erinnerung – ein Nachklang dessen, was gesagt werden durfte. Und dessen, was vielleicht noch gesagt wird.